Expositur St. Jakobus Seibersdorf

 

Geschichte der Expositur Seibersdorf

Pfarrei

Als der hl. Bonifatius, der Apostel der Deutschen, im päpstlichen Auftrag im Jahre 739 die vier altbaierischen Bistümer Freising, Salzburg, Regensburg und Passau organisierte, bildete die Großpfarrei Kirchberg-Erlach, zu der Seibersdorf kirchenrechtlich lange Jahrhunderte gehörte, die westlichste Pfarrei der damals größten Diözese des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Zum weiten Pfarrsprengel Kirchbergs gehörten die 10 Gotteshäuser Kirchberg, Kirchdorf, Seibersdorf, Eggstetten, Prienbach, Erlach, Aich, Antersdorf, Lengham und Winklham.

Es wird wohl so gewesen sein, dass ein Angehöriger des Geschlechtes der Seibersdorfer eine Kirche bei dem Sitz erbaute und sie dem damals besonders hoch verehrten Pilgerpatron, dem Apostel Jakobus dem Älteren weihte. Nach altem Brauch hielt sich das Geschlecht einen eigenen Priester mit regelmäßigem Gottesdienst. Sie erlangten für ihr Gotteshaus das Recht der Taufe und des Begräbnisses, es unterstand aber seelsorglich der damaligen Großpfarrei Erlach, später Kirchberg am Inn. Zur Anerkennung dieses Rechtsverhältnisses musste der Geistliche dem Pfarrer von Kirchberg jährlich einen Gulden zahlen. Allmählich dürfte die Schloßkaplanei nicht mehr besetzt gewesen sein und die Verrichtung der Gottesdienste fiel der Kirchberger Pfarrgeistlichkeit zu. Um 1539 wollte der Kirchberger Pfarrer die Gottesdienste vermindern. Da wandten sich die Seibersdorfer an die bayerischen Herzöge. Diese bestimmten am 10. Januar 1539, dass die Seibersdorfer sich einen würdigen Priester suchen sollten und der Pfarrer ihn einsetzen müsse. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass diese Zeit von den Wirren der Reformation durchschüttelt wurde und würdige Priester, mit guter Ausbildung, selten waren. Wegen der zu geringen Einkünfte hatte Seibersdorf in den späteren Jahrhunderten keinen eigenen Priester mehr, sondern von 1651 an hielt der Vikar von Kirchdorf an den Sonntagen wechselnd in den beiden Kirchen Gottesdienst. Erst 1903 bekam Seibersdorf einen eigenen Expositus.

Gotteshaus

Die Kirche von Seibersdorf gehört zu den beachtenswertesten Kirchen des damaligen Landkreises Pfarrkirchen. Sie entstand mit vielen anderen Gotteshäusern im 15. Jahrhundert, als Ausdruck der Frömmigkeit und des Glaubensbewußtseins der Spätgotik. Die Jahreszahl 1471 am Chor gibt uns sogar eine genaue Zeit an. Der einschiffige Nagelfluhquaderbau verlor 1646 durch Brand den Kirchturm. Der Maurermeister Abraham Steger aus Braunau und der Zimmerermeister Thomas Kohlgruber aus der Gschwandt errichteten ihn um 977 Gulden wieder neu. Der neugotische Hochaltar birgt als besondere Kostbarkeit eine spätgotische Pieta: Maria hält den toten Sohn auf dem Schoß. Eine zweite Madonna - Maria mit Kind – stammt ebenfalls aus dem späten 15. Jahrhundert. Aus derselben Zeit kam der Taufstein aus Rotmarmor auf uns. Die reich geschnitzten Stuhlwangen sind das Werk einheimischer Meister aus der Zeit um 1770.
(Auszug aus der Ortschronik von Seibersdorf von Erich Eder, veröffentlicht 1973 in "Heimat am Inn" vom Verlag Rudolf Vierlinger)

Wichtige Daten zur Kirche:
1471 Kirche als spätgotischer einschiffiger Nagelfluh-
        quaderbau errichtet, dem Pilgerheiligen Jakobus
        dem Älteren geweiht;
1646 Glockenturm abgebrannt;
1757 Turmuhr mit Stundenschlag;
1880 Ersatz des barocken durch neugotischen Hochaltar;
1889 Einsatz einer Orgel in der Kirche;
1903-05 große Restaurierung; u.a. neue Seitenaltäre,
        neue Kanzel;
1908 neue Sakristei;
1910 Turmuhr mit Viertel-und Stundenschlag
         sowie zweites Zifferblatt;
1912 Blitzableiter;
1913 Hochaltar umgebaut, erhält 3 Nischen;
1915 Hochaltar erhält 2 Flügel;
1932 Austausch der Turmuhr;
1933 Elektrisches Licht mit 6 Brennstellen; Innenrenovierung;
1951 Außen- und Innenrenovierung;
1953 neue Orgel;
1954 Bau eines Leichenhauses, Erweiterung des Friedhofs;
1957 wieder große Glocke im Kirchturm;
1960 Kirche erhält massives Fundament;
1962-63 große Renovierung, Einbau einer Heizung,
        Aufstellen eines Volksaltars, Entfernen der
        Kommuniongitter, Seitenaltäre und Kanzel;
1966 alte Kirchenfenster mit Glasmalereien entfernt;
1974 erneute Friedhofserweiterung;
1975 Kirchenbank-Polsterung;
1986 bisher letzte Außenrenovierung; Wasser in der Sakristei;
1987 bisher letzte Innenrenovierung, Altarraum um 1 Stufe
        angehoben, neuer steinerner Volksaltar, Boden komplett
        erneuert, 1 Empore entfernt, Orgel elektrifiziert und
        an die Wand gehängt, neue Möbel in der Sakristei.
        Altarweihe durch Bischof Franz Xaver Eder
2006 Marien-Glocke als 4. Glocke installiert, gestiftet vom Mesner Max Seidl
2014-2017 Renovierung vom Pfarrhaus
2014 Neue Sitzbankauflagen
2017 Glockenreparatur der Glocke 2 wegen Sicherheitsproblemen
 

Die Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Expositur Seibersdorf ist in der Sakristei (nach den Gottesdiensten) bzw. im Kirchenvorraum erhältlich.